Herbert Vogt. Gefallen bei Stalingrad. Operation Uranus

G U T A C H T E N

Über das Schicksal des [etwa 5 km nördlich von Pokrowskij – Don-Bogen] Verschollenen
[Obergefreiter] Herbert V o g t , geb. 16.2.21 [in Großendorf, Kreis Steinau in Schlesien, heute Dłużyce]

Truppenteil: Artillerie-Regiment der 62. Infanterie-Division [12 Batterie, AR 162, 62. ID.]
Vermißt seit 22. Dezember 1942
DRK-Verschollenen-Bildliste Band AD, Seite 662

Herbert Vogt (1921-1942)

Ausgangspunkt für die Nachforschungen waren die dem Suchantrag entnommenen Angaben, die in die Verschollenen-Bildlisten aufgenommen wurden. Damit sind alle erreichbaren Heimkehrer aus Krieg und Gefangenschaft befragt worden, von denen angenommen werden konnte, daß sie mit dem Verschollenen zuletzt zusammengewesen sind. Diese Befragungen fanden sowohl in der Bundesrepublik als auch in Österreich und anderen Nachbarländern Deutschlands statt.

Ferner sind von anderen Stellen, die Unterlagen über die Verluste im 2. Weltkrieg besitzen, Informationen eingeholt worden. In erster Linie handelt es sich hierbei um das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf, die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht in Berlin und die Heimatortskarteien.

Über diese individuellen Ermittlungen hinaus wurde die Frage geprüft, ob der Verschollene in Gefangenschaft geraten sein konnte. Dabei wurden die Kampfhandlungen, an denen er zuletzt teilgenommen hat, rekonstruiert. Als Unterlage dienten dem DRK-Suchdienst Angaben über Kameraden, die der gleichen Einheit angehört hatten und zum selben Zeitpunkt und am selben Einsatzort verschollen sind, Heimkehrerberichte, Schilderungen von Kampfhandlungen, Kriegstagebücher sowie Heeres- und Speziallandkarten.

Das Ergebnis aller Nachforschungen führte zu dem Schluß, daß

Herbert  V o g t

mit hoher Wahrscheinlichkeit am 22. Dezember 1942 bei den Kämpfen während des Rückzuges von Bokowskaja nach Morosowskaja gefallen ist.

Zur Begründung wird ausgeführt:

Am 19. November 1942 waren sowjetische Armeen nordwestlich und südlich von Stalingrad zum Gegenangriff angetreten. Zwei Tage später trafen sich die Spitzen ihrer Panzerverbände bei Kalatsch; die deutsche 6. Armee war eingeschlossen worden. [Operation Uranus]

Um ein weiteres Vordringen des Gegners nach Westen zu verhindern, wurden die deutschen Verbände schnell neu gegliedert. So entstand im Norden des Angriffsraumes die Armeeabteilung Hollidt, deren Truppen am Tschir Stellungen bezogen hatten.

Auch die 62. Infanterie-Division, die aus dem Raum Woronesch nach Stalingrad verlegt werden sollte, wurde unterwegs angehalten und ihr unterstellt. Sie musste südlich Weschenskaja [Wjoschenskaja] im Raum Bokowskaja [Bokovskaya] einen 30 Kilometer breiten Verteidigungsabschnitt übernehmen. Dieser wurde seit dem 7. Dezember immer wieder von sowjetischen Kräften angegriffen, ohne daß es jenen gelang, die deutschen Stellungen zu durchbrechen. Erst als die Front zwischen Nowaja Kalitwa und Konkow ins Wanken geriet, mußten sich die deutschen Verbände vom Tschir lösen.

Am Abend des 17. Dezember hatte der Rückzug begonnen und schon am folgenden Tage durchbrachen starke sowjetische  Panzerkräfte die nur von Nachhuten gehaltenen Stellungen. Bei Krushilin, Singin, Iljin und Werchnije Lutschki konnten sich die Einheiten der Division nur unter Verlusten aus der Umklammerung befreien.

Die Division sammelte am 19. Dezember in Karginskaja [Karginskaya], 100 km nördlich von Morosowkaja [Morosowsk]. Bereits am nächsten Tag traten sowjetische Panzer, durch das Feuer ihrer Granatwerfer unterstützt, zum Angriff auf die Ortschaft an. Noch bis in die Nacht hinein dauerten die heftigen Straßen- und Häuserkämpfe, bei denen hohe Verluste entstanden. Die Einheiten, die sich vom Gegner lösen konnten, setzten den Rückzug fort.

Am 22. Dezember wurde die Division in Nowyi Astachow, 30 km südwestlich Karginskaja, erneut von sowjetischen Panzer- und Infanterie kräften gestellt. Wiederum waren die Ausfälle hoch. Nach einem Gefecht bei Werchnij Swetschnikow erreichten die Reste der Division den Raum südlich von Morosowskaja, wo der sowjetische Angriff Ende Dezember durch einen Gegenstoß zum Stehen kam.

Seit diesen Kampftagen wird eine große Anzahl von Soldaten der Division vermißt. Viele von ihnen haben während der Kämpfe den Tod gefunden, was auch für einige der Verschollenen durch Heimkehrer-Aussagen bestätigt wird. Darüber hinaus aber sind viele bei den nächtlichen Straßen- und Häuserkämpfen oder im tief verschneiten durch zahlreiche Schluchten durchzogenen Gelände gefallen, ohne daß es von Kameraden gesehen wurde. Bei der geschilderten Kampflage waren oft die Bergung und ärztliche Versorgung der Verwundeten nicht möglich. Wiederholt gerieten auch Verwundetentransporte und Verbandsplätze in das Feuer sowjetischer Panzer.

Es gibt keinen Hinweis dafür, daß der Verschollene in Gefangenschaft geriet. Er wurde auch niemals in einem Kriegsgefangenenlager gesehen. Alle Feststellungen zwingen zu der Schlußfolgerung, daß er bei den Rückzugskämpfen gefallen ist.

München, den 15. September 1970

Max Heinrich, Direktor
[Suchdienst Deutsches Rotes Kreuz]

Siegel und Unterschrift, in Vertretung gezeichnet

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Anmerkungen und Ergänzungen vom Autor in eckigen Klammern.

Quellen

  1. https://www.dilibra.com/core/attachment/28541 (Gutachten über das Schicksal des Verschollenen Herbert Vogt, PDF)
  2. https://www.dilibra.com/ahnenforschung/3673 (Rossoschka, Würfel 126)
  3. http://gov.genealogy.net/item/show/GROORFJO81FI (Großendorf im GOV)
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Uranus (Operation Uranus)
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Armeeabteilung_Hollidt (Armeeabteilung Hollidt)
  6. http://www.denkmalprojekt.org/2015/grossendorf(poln.dluzyce_landgemeinde-scinawa(steinau-a.d.oder_kreis-lubin(lueben)_nsl.html (Denkmalprojekt)

Familienforschung Rudolf Anter (Sudetenland, Wien und Berlin) Ein Körper für die Wissenschaft

Einem Urkundenkonvolut, bestehend aus standesamtlichen und kirchlichen Urkunden sowie diversen Meldebestätigungen und Zeitungsausschnitten ließ sich der Werdegang und die Ahnenreihe des Rudolf Anter aus Würbenthal im Bezirk Freudenthal im Sudetenland (heute Vrbno pod Pradědem in Tschechien) entnehmen sowie eine Ahnenreihe (nach Kekule) rekonstruieren. Sämtliche Quellen sind angegeben. Einzelne Urkunden wurden zur besseren Überprüfbarkeit direkt verlinkt.

Ahnenreihe

  1. Rudolf Anter wurde am 14.10.1901 in Würbenthal Nr. 98 als Sohn des Fabrikarbeiters Alois Anter und dessen Gattin Aloisia Knappe geboren. Er wurde römisch-katholisch getauft am 24.10.1901 durch Herrn Kooperator Benno Marionski in der Pfarre Würbenthal (Dekanat  Freudenthal, Diözese Almütz). Dortiger Pfarrer Amand Hornich. Paten waren der Kellner Josef Peschke und die Kalkarbeitertochter Marie Anter , beide aus Würbenthal stammend. Im Taufschein wirde eine Julie Urban als Geburtsassistentin, bzw. Hebamme aufgeführt. Rudolf Anter ehelichte am 08.02.1930 in Berlin die Barbara Preitler (geb. 21.09.1903 in Steyr). Seine Frau Barbara soll er in Wien beim Sängerfest Ende 1928 kennengelernt haben. Die Familie zog später nach Berlin-Lichtenberg in die ehemalige Kantstraße. Aus der Ehe ging das gemeinsame Kind Ingeborg Anter hervor (geb. 08.06.1930 in Berlin). Laut Meldebescheinigung bezog die Familie am 05.07.1933 in Berlin-Friedrichsfelde Kolonie in der Hermannstr. 13 ihr neues „Häusel“. Wohnungsgeberin war eine Frau Leschinski. Im September 1934 zog die Familie zurück nach Wien. Einem „Auszug aus der Heimatrolle“ der Stadt Wien vom 06.03.1950 zufolge hat der zwischenzeitlich verheiratete Rentner Rudolf Anter am 13.03.1938 das Heimatrecht in Wien erlangt. Am 08.09.1939 meldete sich der Packer Rudolf Anter erneut in Berlin an, diesmal in Berlin S.W. 68, Wassertorstr. 67 zur Untermiete bei einer Emma Hain. Rudolf Anter starb als „Pensionist der PVA d. Arb.“ laut Sterbeurkunde am 19.01.1969 in Wien 3, Boerhaavegasse 8 (Krankenanstalt Rudolfstiftung der Stadt Wien) an Carcinoma bronchi. Seine letzte Anschrift war Hohlwegg 2/6/8 in 1030 Wien. Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1967 und eine Verfügung deuten darauf hin, dass Rudolf Anter am 31.01.1968 seinen Körper nach dem Tode dem anatomischen Institut der Universität Wien „für Unterricht und wissenschaftliche Forschung“ zur Verfügung gestellt hat.
  2. der Fabrikarbeiter Alois Anter wurde laut Geburts- und Taufschein der römisch-katholischen Pfarre Raase am 13.12.1872 in Raase (Kreis Freudenthal) als der Sohn der Eheleute Anton Florian Anter und der Josefa Beier (stellenweise auch Bayer) aus Würbenthal geboren. Er wurde durch Kooperator Ferdinand Manek am 15.12.1872 getauft. Laut Trauungs-Schein der Pfarre St. Laurenz XI in Wien ehelichte Alois Anter am 01.08.1897 die Aloisia Knappe in Wien-Simmering. Trauzeugen waren Schmiedgehilfe Anton Hababala und der Schuhmacher Franz Felsmann (beide katholisch und in Wien wohnhaft). Er lebte zuletzt in Berlin.
  3. die Handarbeiterin Aloisia Knappe wurde laut Taufschein am 24.10.1871 in Hermannstadt (Freiwaldau) als Tochter des Häuslers, später Auszüglers Johann Knappe und dessen Gattin Josefa Benke geboren und am 25.10.1871 durch Pfarrer Johann Appel getauft. Hebamme war Johanne Notowy. Als Taufpaten sind der Wirtschaftsprüfer Franz Knoblich und die Inwohnergattin Karolina Appel angegeben. Sie lebte zuletzt in Berlin und starb am 03.03.1949 in Hoppenrade (Buchow-Karpzow, Oberhavelland in Brandenburg)
  4. Anton Florian Anter (Tagelöhner aus Raase) wurde laut Taufschein am 27.05.1842 in Rautenberg (Dekanat Hof) als Sohn der Eheleute Johann Anter (Wagnermeister in Rautenberg) und Viktoria Klos (auch Kloss) geboren und am selben Tage Josef Göttlicher Lokal getauft. Hebamme war Theresia Winkler aus Rautenberg 86.
  5. Josefa Bayer (auch Beier) wurde am 25.08.1843 in Raase (Kreis Freudenthal) als Tochter des Häuslers Johann Bayer und dessen Gattin Klara Nagel geboren und dort durch Herrn Kooperator Ignaz Theimer am 27.08.1843 katholisch getauft.
  6. Der spätere Häusler Johann Knappe wurde am 17.07.1814 in Hermannstadt als Sohn des Franz Knappe (1/2 Gärtners in Hermannstadt) und der Maria Vogt (Vogtin) geboren und laut Taufschein noch am selben Tage durch Herrn Cooperator Josef Pelz getauft. Hebamme war eine Frau Geyer (Geyerin) aus Hermannstadt 42. Taufpaten sind ein Andreas Vogel (1/4 Gärtner aus Rautenberg und eine Johanna. Laut Trauungs-Schein der Pfarre Hermannstadt ehelichte er am 25.01.1864 die ledige Josefa Benke. Trauzeugen waren der Schneider Franz Appel und der Inwohner Johann Mildner aus Hermannstadt.
  7. Josefa Benke wurde laut Taufschein am 08.06.1834 in Hermannstadt als Tochter des Ausgedingers Johann Benke und dessen Gattin Johanna Proske geboren und noch am selben Tage durch Cooperator Jakob Leder getauft. Als Hebamme wird Theresia Padotzka aus Hermannstadt genannt. Taufpaten waren Karl Klemenz (Inwohner aus Hermannstadt), Apolonia Groß (ledige Tochter des 1/2 Gärtners Dominikus Groß aus Hermannstadt)
  8. Johann Anter, Tagelöhner aus Raase auch Wagnermeister in Rautenberg,
  9. Viktoria Klos (auch Kloss)
  10. Der Häusler in Raase Josef Bayer ist der Sohn des katholischen Häuslerausgedingers Johann Bayer und dessen Ehefrau Theresia Karb.
  11. Klara Nagel ist die Tochter des Anton Nagel (22) und der Viktoria Bahr (23), ihr Vater ist Philipp Bahr (46).
  12. Franz Knappe
  13. Maria Vogt (auch Marie Vogt)
  14. Johann Benke
  15. Johanna Proske ist die Tochter des Simon Proske (30) und der Elisabeth Knoblich (31)

Quellen

  1. Konvolut, https://www.dilibra.com/ahnenforschung/4032
  2. Geburts- und Taufschein, Würbenthal, Dekanat Freudenthal, Diözese Olmütz,  Nr. 183/1901
  3. Geburts- und Taufbuch, Würbenthal, Dekanat Freudenthal, Diözese Olmütz,  Band VII, Seite 103, Nr. 614/1901
  4. Auszug aus der Heimatrolle, Magistrat der Stadt Wien, M.-Abt. 61, Nr. 20257 vom 06.03.1950
  5. Geburts- und Taufschein, Raase, Dekanat Freudenthal, Diözese Olmütz, Tom. V, Fol. 10, Nr. 251/1843
  6. Geburts- und Taufschein, Pfarre Raase, Dekanat Freudenthal, Diözese Olmütz, Tom VII, Fol. 137, Nr. 252/1872
  7. Geburts- und Taufschein, Pfarre Hermannstadt, Diözese Breslau, Taufbuch Bd. III, Bl. 557, Nr. 574/1814 (beglaubigt durch Pfarrer Franz Leichter, 21.10.1936, Hermannstadt)
  8. Geburts- und Taufschein, Pfarre Rautenberg, Dekanat Hof, Diözese Olmütz, Taufbuch Tom. III, Fol. 152, Nr. 45/1842 (beglaubigt durch Pfarrer Florian Polcar, 20.03.1934, Rautenberg)
  9. Geburts- und Taufschein, Pfarre Rautenberg, Diözese Breslau, Taufbuch, Bd. VII, Bl. 109, Nr. 573/1871 (beglaubigt durch Pfarrer Leichter, a.a.O.)
  10. Geburts- und Taufschein, Pfarre Hermannstadt, Diözese Breslau, Taufbuch, Bd. IV, Bl. 1010, Nr. 572/1834 (beglaubigt durch Pfarrer Leichter, a.a.O.)
  11. Trauungs-Schein, Pfarre Hermannstadt, Diözese Breslau, Trauungs-Buch Bd. II, Bl. 239, Nr. 566/1864 (beglaubigt durch Pfarrer Leichter, a.a.O.)
  12. Trauungs-Schein, Pfarre St. Laurenz in Simmering, Diözese Wien, Trauungsbuch Tom. 16, Fol. 197, Nr. 1860/42 (beglaubigt durch Kaplan Franz Knaak, 21.08.1942, Wien)
  13. Sterbeurkunde, Standesamt Wien, Sterbregister Nr. 132/1969 (Standesbeamter i.V. Fischer)
  14. Heiratsurkunde, Standesamt Berlin IVb, Heiratsregister Nr. 48/1930
  15. Sterbeurkunde, Standesamt Buchow-Karpzow, Sterberegister Nr. 5/1949