Bei dem in dem Artikel genannten Carl Maasch handelt es sich um Karl Friedrich Masch, geb. am 28.04.1824 in Brunken bei Berlinchen, hingerichtet durch das Fallbeil am 18.07.1864 in Soldin.

Der 12fache Raubmörder Carl Maasch aus Soldin bei Frankfurt a. d. Oder

Genaue Beschreibung der Mordthaten dieses Unmenschen.

Wenn man glaubt, es gäbe in anderen Ländern noch mehr Mörder als in Deutschland, so muß man bald an dieser Behauptung zweifeln, indem uns nachfolgende von mehreren Zeitungen veröffentlichte Geschichte einen deutlichen Beweis von dem Gegentheile liefert.

Carl Maasch war in Brunken bei Frankfurt an der Oder geboren und zeigte sich schon in der Jugend als ein lasterhafter und boshafter Mensch. De Polizei hatte schon seit langer Zeit ein wachsames Auge auf diesen Menschen; endlich wurde wegen Brandstiftung verhaftet und in das Gefängnis gebracht. Es gelang ihm aber zweimal aus dem Gefängniß zu entweichen, ohne daß man seiner habhaft werden konnte. Fünf Jahre trieb er ungestört sein Wesen und Diebstahl, Raub und Mord wurden in der Soldiner Gegend sehr häufig, ohne daß man dem Thäter auf die Spur kommen konnte, bis er dann endlich nach dem sechsfachen Mord an der Baumgart’schen Familie in Chursdorf festgenommen wurde.



In Chursdorf lebte in glücklichen Verhältnissen Baumgarten, der Besitzer eine Wasser- und Windmühle und eines Bäckergeschäftes. Ohne eine Ahnung von dem Vorgefallenen kommt am Morgen des 11. August der Bäckergeselle aus dem oberen Stock herunter, um seinen Meister zu wecken. Erstaunt sah er die Stubenthüre schon offen und unter der Stubenthüre in ihrem Blute schwimmend die Tochter von 12 Jahren, welche wahrscheinlich noch bis dahin gelaufen war und hier ihren Geist aufgegeben hatte.

Im Schlafzimmer lagen todt in ihrem Bette der Meister und seine Frau mit zerschmetterter Hirnschale. Auch das Dienstmädchen lag todt in ihrem Bette. Außer diesen fand man noch die beiden anderen Kinder von drei und fünf Jahren am Leben, aber in solchem Zustande, daß sie in Folge des Blutverlustes bald darauf ihren Geist aufgaben.Von der ganzen Familie waren nur noch ein Sohn und eine Tochter übrig geblieben. Am anderen Morgen trafen Beide in ihrem elterlichen Hause ein und unmöglich ist es, ihren Jammer zu beschreiben.

Mit welcher Frechheit die Mörder, denn zwei müssen es mindestens gewesen sein, da man zwei Spuren von Menschenfüßen gefunden hatte, eingebrochen sind, war unbeschreiblich. Sie waren über zwei hohe Zäune geklettert, hatten die Eisenstäbe von einem Kellerfenster erbrochen und da die Thüren offen, waren sie in die Wohnstube gelangt. Nach dem Morde hatten sie die Kommoden erbrochen und das Geld und die Kostbarkeiten geraubt. Da das eine Zimmer, worin Baumgartens ganzes Geld lag, verschlossen war, so war die größere Geldsumme von 500 Thalern gerettet.

Nun wurde auf die Entdeckung des Mörders eine Belohung von 500 Thalern gesetzt. Einmal glaubte die Polizei schon dem Ziele nahe zu sein und ließ durch ein Bataillon den Zover-Forst durchstreifen; aber man fand nichts.

Nun wurde die ganze Gegend genau durchsucht und endlich fand man in der Pyritzer-Gegend eine Höhle, in welcher sich eine ganze Räuberbande unter dem Maasch eingerichtet hatte. Leider waren die Vögel entflogen. Es waren zwei Betten da, eine vollständig eingerichtete Küche, und viele Pistolen, Gewehre, Hirschfänger, Dolche und Schlüssel. Daß Maasch diese Wohnung sich eingerichtet hatte, stand fest; aber seiner habhaft zu werden, war schwer. Durch seine lange Straflosigkeit frech gemacht, wagte er sich sogar in Städte und deren Kneipen, wo er sich so betrunken hatte, daß er auf offener Straße die schamlosesten Dinge trieb, bis sich ein Polizeidiener in’s Mittel schlug und ihm mit ernsten Worten sein Benehmen verbot. Maasch aber beleidigte den Beamten so, daß dieser sich genöthigt sah, Hand an ihn zu legen. Jetzt fühlte jener, daß er verloren sei, wenn er in den Händen der Polizei bleibe und stürzte mit einem Pistol auf den Polizisten, daß dieser ihm noch vor dem Schuß entriß. Diesen Augenblick benutzte Maasch zur Flucht, wurde aber bald von der Menge eingeholt und verhaftet. Außer dem Pistol fand man noch ein Schlachtmesser, Brechstangen und Schlüssel bei ihm.



Nach vielem Leugnen bekannte er endlich, daß er Maasch heiße und derselbe sei, welcher in Lippehne zweimal ausgebrochen sei. Sofort wurde nun das Soldiner Gericht davon benachrichtigt, daß Maasch, nach dem sie schon so lange gesucht, endlich ergriffen wäre. Schon nach wenigen Tagen legte Maasch das Geständniß des sechsfachen Mordes ab. Es war nach seiner Beschreibung, wie er mit einer Holzart die Baumgarten’sche Familie erschlug, gar kein Zweifel mehr, daß er das Verbrechen begangen. Er bekannte, daß das kleinste Mädchen die Worte gesagt habe: „Mann, erbarme dich und schenke mir das Leben!“ und eben dieses Mädchen stehe ihm stets vor den Augen und lasse ihm keine Ruhe.

Kaltblütig habe er, während er nach Geld suchte, noch Beobachtungen über das allmähliche Sterben der unglücklichen Opfer angestellt und sei nicht eher weggegangen, bis die zwei Eheleute noch nach einigen Messerstichen verschieden sei.

Maasch wurde nach den mehreren Wochen dauernden Gerichtsverhandlungen zum Tode durch das Beil verurtheilt. Während denselben wurde noch manches Verbrechen aufgedeckt und bewiesen, welche Wohlthat die Gefangennahme Maasch’s für die dortige Gegen war. Im Laufe des Semptember fand die Hinrichtung unter Beisein einer nach Tausenden zählenden Zuschauermenge statt.

Gott möge seiner Seele gnädig sei!

aus Münchener Volksschriften, Band 23, Verlage Raderer, 1876

Quellen:

Gelesen bei Google Books: https://books.google.com/books?id=TqJpAAAAcAAJ

Empfehlung: Kriminalfälle der Geschichte von Willibald Alexis: https://books.google.de/books?id=m1G3UCi4cBAC

über den Mörder: http://historische-serienmoerder.de

Brunken: http://wiki-de.genealogy.net/Brunken

Chursdorf: http://wiki-de.genealogy.net/Chursdorf_(Soldin)

Lippehne: http://wiki-de.genealogy.net/Lippehne