Schon im Jahr 2009 habe ich von einer großartigen Frau mehrere Fotografien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges bekommen. Erna (Jahrgang 1920) kannte und schätzte mein Projekt dilibra und half mir hochbetagt bis zuletzt bei der Übersetzung alter deutscher Schriften. Die geschichtlich bedeutsamen Momentaufnahmen blieben viele Jahre von mir unbeachtet. Es handelt sich dabei um Fotografien mehrerer Soldatengräber, die seinerzeit wohl von Erna’s Ehemann, dem Paul Walter Müller (1918-1985), angefertigt wurden. 28 an der Zahl. Warum schenkte ich den Fotos kaum Bedeutung? Möglicherweise habe ich die Motive im wahrsten Sinne des Wortes übersehen. So messen die Fotos im Querformat gerade einmal 8,5×6,2 Zentimeter und die eigentliche Aufnahme nur 5,5×4,1 Zentimeter.

Aufnahmen von Soldatengräbern in der Ostukraine (Sommer 1941)

Ich bin seinerzeit nicht davon ausgegangen, den Gräbern lesbare Daten entnehmen zu können. Doch ich lag falsch. Die insgesamt 28 Fotografien wurden hochauflösend eingescannt, mit handelsüblichem Gerät. Im Anschluß wurden einige Ausschnitte gefertigt und nachbearbeitet. Die ersten Daten wurden generiert. Nun bin ich alles andere als ein Experte in Sachen Militaria und Zweiter Weltkrieg. Am 26. Januar 2017 veröffentlichte ich daher einige Fotos auf meiner Dilibra-Facebookseite, da es unter den mehr als 5200 Followern doch Experten geben muß. Und richtig. Es dauerte nur ein paar Minuten bis die ersten Hinweise eingingen. Mit Verweis auf Recherchen bei den Portalen denkmalprojekt.org und beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. konnte anhand konkreter Treffer bei einigen Namen sowie Geburts- und Sterbedaten die Gegend um Schytomyr ermittelt werden. Daneben fielen Hinweise auf weitere Recherchemöglichkeiten an, da den Soldatengräbern zum Teil auch die jeweilige Einheit des Gefallenen zu entnehmen war, in den meisten Fällen die 1./ Infanterie Regiment 191.



Gewissheit kehrte ein und ich recherchierte auf der Internetseite des Volksbundes weiter. Insgesamt wurden die folgenden, alphabetisch aufgeführten 16 Gefallenen anhand der Gräber identifiziert:

  • Gefreiter AUE, Johannes, 1./ I.R. 191, geb. 27.08.1910 in Harsum, gefallen 04.08.1941 in Wjeta Potschtowaja Wald hart ostwärts
  • Gefreiter DZIERZOW, Rudolf, 1./ I.R. 191, geb. 20.07.1919, gefallen 30.07.1941
  • Gefreiter ECKERLEBEN, Karl, 1./ I.R. 191, geb. 23.06.1913, gefallen 30.07.1941
  • Gefreiter GLIMM, Fritz, 1./ I.R. 191, geb. 01.12.1918 in Scharbibba, gefallen 05.08.1941 in Feldlazarett 642 Shitomir
  • Schütze GROSSERT, Herbert, 1./ I.R. 191, geb. 17.04.1918 in Rawitsch, gefallen 05.08.1941 in Wjeta Potschtowaja
  • Schütze HEINE, Albert, 5./ I.R. 535, geb. 30.07.1913, gefallen 23.08.1941
  • Schütze HERZOG, Wilhelm, 4. (MG) I.R. 191
  • Schütze HLAVATY, Anton, geb. 14.10.1920 in Wien, gefallen 23.08.1941 Kriegslazarett 3/541 Shitomir
  • Schütze HOMANN, Albert, 4. (MG) I.R. 191
  • Unteroffizier HOMANN, Albert, 1./ I.R. 191, geb. 21.07.1919 in Abbensen, gefallen 30.07.1941 500 Meter südlich Gelenowka
  • Gefreiter KLEBER, Walter (auf Volksbund als Alfred angegeben), 1./ I.R. 191, geb. 27.10.1911, gefallen 30.07.1941
  • Schütze KOBER, Wilhelm, 1./ I.R. 191, geb. 06.12.1920 in Hannover, gefallen 23.08.1941 Kriegslazarett 3/541 Shitomir
  • Gefreiter MEDE, Ernst, geb. 05.05.1910, gefallen 30.07.1941
  • Schütze SIEBRECHT, Heinrich, 1./ I.R. 191, geb. 18.09.1920, gefallen 30.07.1941
  • Unteroffizier WIELERT, Gerd, 1./ I.R. 191, geb. im Jahr 1919, gefallen an einem 4.
  • Oberschütze WÖZEL, Alfred, 1./ I.R. 191, geb. 10.02.1911, gefallen 05.08.1941

Schütze Herbert Grossert
(17.04.1918 in Rawitsch, Posen)

Die Arbeit hat sich schon jetzt gelohnt. Dabei wurde erst eine von mehreren Foto-Serien bearbeitet. Im Idealfall entdecken Angehörige oder Nachfahren diese Zeitzeugnisse.

Quellen:

  1. zum Fotokonvolut: http://www.dilibra.com/ahnenforschung/2861
  2. zu den Soldatengräbern: http://www.dilibra.com/ahnenforschung/2862