Vorwort von Daniel Kuss

Bereits im Januar 2017 übersandte mir David Krüger Ablichtungen eines Tagebuchs, das ein aus Stralsund stammender Carl Klingenberg im Jahr 1914 anlegte. Auf 134 Seiten schrieb dieser handschriftlich seine Eindrücke, Gefühle und Gedanken als Mensch und deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg an der Ostfront nieder. Es liegt in der Natur der Sache von Kriegstagebüchern, schonungslos ehrliche Zeitzeugnisse zu sein.

101 Jahre später, im Sommer 2015, kaufte David das Tagebuch in einem kleinen Antiquariat im baden-württembergischen Heidelberg und digitalisierte es für die Nachwelt. Doch damit nicht genug. Er übersetzte das in Niederdeutsch, bzw. Plattdeutsch verfasste Werk und recherchierte zum Autor. Die einzige Nachkommin wurde ausfindig gemacht und sehr freundliche Kontakte geknüpft. So wissen wir dank akribischer Recherche in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Stralsund heute: der Autor heißt Friedrich August Carl Klingenberg, er wurde am 13. Oktober 1879 in Stralsund geboren, war der letzte Gürtlermeister in Stralsund, wo er am 15. Juli 1954 starb. David Krüger plant, das Original-Tagebuch an das Stadtarchiv Stralsund zu übergeben. Dort gibt es bereits Bestände zur Familie Klingenberg und im Stralsund Museum sogar einen Bestand zu Carl Klingenberg selbst. Mehr als nur eine tolle Geste. Ablichtungen des Tagebuchs können bei Dilibra kostenlos eingesehen werden.

Es ist so unglaublich wie auch schön, dass mehr als Hundert Jahre später Puzzleteile zusammengefügt und Geschichten, Namen und Gesichter belebt werden. Doch David Krüger gibt sich allein damit nicht zu Frieden, er recherchiert bereits zur Familiengeschichte des Autors, die Ergebnisse werden zu gegebener Zeit, sehr wahrscheinlich bei David’s Heimatverein, dem Pommerschen Greif, veröffentlicht.

Die folgenden Aufzeichnungen dürften ganz gewiss nicht nur für Genealogen interessant sein. Der Text ist recht umfangreich, um die weiteren Kapitel zu lesen bitte einfach auf die jeweilige Überschrift klicken. Viel Spaß beim Lesen!

Wie der ganze Trödel anfing.

An einem schönen Sommerstag, als ich mit meinem lieben Freund Karl Schün von einem wunderschönen Ausflug nach Jacobsdorf, den wir mit dem Fuhrwerk seines Bruders unternahmen, zurückkam. In fröhlichster Stimmung fuhren wir in die alte Wasserstadt Stralsund ein und wunderten uns, warum dort alle Leute umherstürmten und die Köpfe hochsteckten. Och, meinten wir, da ist wohl wieder irgendwo in der Welt etwas passiert.  Vielleicht ist wieder irgendwo ein kleiner Prinz geboren, das wurde ja schon immer gleich mit Extrablätter in der Welt herumposaunt. Den ganzen Tag lang erschien es uns so, als würden die Leute noch weiter herumirren. Es müsste also doch wohl etwas Anderes sein. War vielleicht ein großes Unglück passiert? Wir wurden nun doch neugierig und bekamen unterwegs so viel mit, dass es sich um ein Attentat handeln muss. Uns kamen alle mit ernsten Gesichter entgegen und hier erzählte man uns auch, dass der österreichische Thronfolger mit seiner Frau in Sarajewo auf der Straße umgebracht worden war.

Wie ein Blitz schlug uns diese Nachricht in den Magen: „Das gibt Krieg!“

Es wurde hin und her debattiert, was nun all daraus entstehen könne. Natürlich müsste der Serbe Strafe erhalten, oder würde der Russe leiden? Na, jedenfalls ging es uns ja direkt nichts an, die Österreicher würden schon mit den Serben fertig werden und der Russe würde auch wohl zugucken, wenn sie erst merken das wir unseren Bundesbruder nicht in Stich lassen würden. Wir ahnten noch nicht, dass der große Krieg doch ausbrechen würde. Nun folgten dann die langen, langen Wochen, wo aus der kleinen Ursache, die ja natürlich gar nicht mal die richtige Ursache war, sich eine große Wirkung entwickeln würde.

 

Die Mobilmachung.

 

Die Eisenbahnfahrt.

 

Tillitz bei Thorn. (10.-16. August 1914)

 

Wolfserbe. (17. August 1914)

 

Das erste Menschenopfer.

 

Friederikenhof – Birkeneck. (22./23. August 1914)

 

Aus der Schlacht bei Tannenberg. (24. August 1914)

 

Wir wollen Wasser haben! (25. August 1914)

 

Grausig sah hier die Gegend aus. (26./27. August 1914)

 

Ein wirklich schaurig, schönes Bild! (28. August 1914)

 

Nach der Schlacht. (29. August 1914)

 

Feldlager bei Soldau (1./2. September 1914)

 

So trostlos wie das Wetter. (3. September 1914)

 

Donnerwetter! (4. September 1914)

 

Ein Schlaraffenleben. (5. September 1914)

 

Erwartung auf einen Angriff. (7. September 1914)

 

Mein kleiner Junge. (10. bis 14. September 1914)

 

Mir schwant nichts Gutes. (15. bis 18. September 1914)

 

Ein Talent zum Schweinstreiber. (20. bis 24. September 1914)

 

Wie ein nasser Pudel. (25./26. September 1914)

 

Auf nach Galizien. (26. bis 30. September 1914)

 

An der Spitze des Regiments. (1. Oktober 1914)

 

Ja, so ist der Krieg.

 

Balancierend über den Fluss. (4. bis 7. Oktober 1914)

 

Auf zum Sturmangriff. (8. bis 10. Oktober 1914)

 

Ruhe in Frieden, Kamerad.

 

Zusammenhalt unter uns.