Im Nachgang unserer Ostpreußen Tour 2017 erreichten mich insbesondere in den Kommentarspalten meiner Facebook-Seite zahlreiche Anfragen zu Vorfahren in Ostpreußen. Da half es auch wenig, darauf hinzuweisen, dass ich kein Experte in der Region bin. Auch wenn ich nicht immer helfen konnte, habe ich mich riesig über das Interesse an der Ahnenforschung gefreut und auch versucht, wenigstens hier und da einen Tipp zu geben, wenn auch laienhaft. Während ich Stück für Stück meine Ergebnisse auf einschlägigen Ostpreußen-Plattformen veröffentlichte, stieß ich ganz beiläufig auf Hinweise zum Indexierungsprojekt ostpreußischer Standesamtsregister und im weiteren Verlauf auf die sehr beeindruckende und zum Zeitpunkt dieses Beitrages 633.616 Datensätze umfassende Datenbank namensindex.vffow.de, die ich Euch im folgenden kurz und pragmatisch näher bringen will und als „unbedingtes Muss“ ausdrücklich empfehle. Der Traditionsverein aus Hamburg Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V. (kurz VFFOW) stellt Interessierten eine beeindruckende und kostenlose Abfragemöglichkeit zur Verfügung, werbefrei und ohne Registrierungszwang:

Wie läufts?

1. Ruft die hier verlinkte Internetseite auf. Nach einer Captcha-Abfrage gelangt Ihr zur folgenden, mich persönlich sehr ansprechenden, Eingabemaske. Ich empfehle eine Recherche mit Desktop oder Notebook, obwohl die Internetseite auch für mobile Endgeräte wie Smartphone oder Tablet freundlich konzipiert wurde.

Ausschnitt Screenshot vom 19.08.2017: Die Oberfläche von http://namensindex.vffow.de/namen.php

2. Im Feld Nachname gebt Ihr den gesuchten Familiennamen ein, wobei im „beginnt“ oder „enthält“ Modus auch die Eingabe von Buchstabenfolgen gestattet ist, was sehr hilfreich sein kann, wenn man nur Fragmente hat (so wie ich zum Teil bei der Auswertung von schwer lesbaren Grabsteinen). Ihr könnt selbstverständlich bei den neben stehenden Feldern die Suche einschränken, bspw. die Register auf Geburten, Heiraten, Sterbefälle und/oder Aufgebote beschränken bzw. kombinieren. Der Suchzeitraum lässt sich beliebig zwischen dem Zeitraum von 1874 bis 2017 eingrenzen. Eingefleischte können sogar Signaturen wählen (dieses tolle Feature, da wohl am wenigsten genutzt, hätte ich ans Ende  gestellt). Zuletzt lässt sich die Suche auch auf bestimmte Orte begrenzen. Clemens Draschba hat da ganz tolle Arbeit geleistet!

3. Ich habe die Datenbankabfrage – ohne weitere Einstellungen – sogleich mit einer „Kuss-Abfrage“ gestartet. Treffer! Sodann habe ich geprüft, ob die Abfrage bei der exakten Suche die Kuß-Namensträger mit einbezieht, negativ. Was aber keineswegs schlimm ist und die stabile Recherchemöglichkeit nicht im geringsten schmälert. Also, „ss“ und/oder „ß“ bei exakter Suche separat abfragen.

Ausschnitt Screenshot vom 19.08.2017: Eine Kuss-Suche

4. Die Ergebnisliste ist übersichtlich und informativ. Man muss kein großer Datenbank-Hase sein, um sich hier zurechtzufinden. Neben dem vollständigen Namen, Standesamt (auch mit der heutigen polnischen Ortsangabe), Ort, Kreis, Registernummer und Signatur gelangt man über den Link bei „Scans“ schnell und einfach zu den Digitalisaten. Ich wählte gleich den ersten Treffer, nämlich Emil Kuss mit Einträgen beim Standesamt Beutnersdorf. Ein weiterer Tab öffnet sich, Klasse!

Ausschnitt Screenshot vom 19.08.2017: Staatsarchiv Allenstein

5. Unten seht Ihr nun Zahlen, die jedoch nicht für die korrekte Registernummer stehen müssen, es handelt sich hierbei oftmals um die jeweilige Seite im Register, sie können aber gut als Anhalt dienen. Bedenkt, dass sich Heiratseinträge meist über zwei Seiten erstrecken. Den Registereintrag Nr. 184 zu Emil Kuss habe ich auf Seite 187 gefunden. Also, öffnen und ggf. ein wenig vor oder zurück blättern und ihr gelangt zum Scan des Registers. Ich bin absolut begeistert, man hört es hoffentlich zwischen den Zeilen.

Ausschnitt Screenshot vom 19.08.2017: Beachte, Seitenzahl ist nicht gleich Registernummer.

Fazit

Ich habe lediglich eine einfache und kurze Form der Recherche vorgestellt und keineswegs alle Möglichkeiten berücksichtigt, wie bspw. die Ortssuche. Mit der Datenbank haben Bernhard Ostrzinski (Verantwortlich für die Erfassung und Bearbeitung der Indexierungsdaten der Standesamtsregister), Clemens Draschba (Verantwortlich für Software- Entwicklung, Datenbanktechnik und die automatisierte Prüfung der Archivbestände) und sehr viele weitere Helfer einen Meilenstein in der digitalen Genealogie im Bereich Ost- und Westpreußen gesetzt, was aktuell nicht genug gelobt werden kann.

Und das ganze obendrein ohne Registrierungszwang, werbefrei und kostenlos. Selbstloser geht nicht.

Ohne Vorkenntnis der Seite lassen sich auch als Durchschnittsnutzer sehr schnell Ergebnisse erzielen. Die Datenbank ist stabil, selbsterklärend und die Abfrage läuft schnell. Wer sich über den Hintergrund des tollen Projektes informieren möchte, sollte unbedingt Das Projekt und seine Historie lesen.

Daniel Kuss