Du hast die Tipps aus meinem ersten Tutorial „die Bestandsaufnahme“ allesamt beherzigt und willst auf Basis deiner zusammengetragenen Namen und Daten nun mit der Ahnenforschung einen Gang zulegen? Dann helfen dir möglicherweise meine Anregungen, wie sich Kopien von Personenstandsurkunden praktikabel bei Standesämtern oder auch Archiven anfordern lassen. Aufgrund des föderalen Systems in Deutschland und der Besonderheit ehemaliger deutscher Gebiete gibt es von Land zu Land, von Standesamt zu Standesamt und von Archiv zu Archiv naturgemäß Unterschiede in der Beschaffung von Urkunden. Allerdings überwiegen hier die Gemeinsamkeiten. Die eine und allgemeingültige Anleitung gibt es leider nicht, doch in deiner Familienforschung werden dir die folgenden Tipps hoffentlich helfen und zudem die grundsätzliche Aussagekraft und Ergiebigkeit einer Sterbeurkunde etwas näher bringen.

Ich rufe in Erinnerung: Personenstandsurkunden sind die bedeutsamsten genealogischen Primärquellen, zu denen Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden zählen. Sie bilden in den allermeisten Fällen die Grundlage für weitere Recherchen. Was enthalten diese Urkunden? Wie bekomme ich eine Kopie? Auf diese Fragen versuche ich praktikable Antworten zu geben und erspare dir auch den geschichtlichen Exkurs über die Tiefen des deutschen Personenstandswesens, den ich übrigens auch gar nicht geben könnte. Nur soviel: die meisten Personenstandsregister wurden im Oktober 1874 angelegt. Lebensereignisse, die einen Zeitraum davor betreffen, wären dann in kirchlichen Registern (Kirchenbücher) zu erforschen. Doch die sollen hier und jetzt nicht thematisiert werden.

Warum der Sterbeort so wichtig ist.

In zeitlicher Hinsicht zäumen viele Genealogen erfahrungsgemäß das Pferd von hinten auf, in dem sie zunächst die Sterbeurkunde eines Angehörigen anfordern, da zu Beginn der Forschung nicht selten eben nur der Todesfall, mithin das Sterbedatum und der Sterbeort bekannt sind. Das hat oftmals ganz profane Gründe. Bei vielen Anfängern hat meiner Erfahrung nach der Tod eines Angehörigen erst das Interesse an Genealogie geweckt. Entweder hat man den Todestag der Großmutter noch gut in Erinnerung oder den auskunftsfähigen Grabstein des Urgroßvaters erst kürzlich auf einem Friedhofsspaziergang entdeckt.

Was auch immer dich zur Forschung motiviert, bei einem Todesfall liegen dir in der Regel zwei wichtige Informationen vor: das Sterbedatum und der Sterbeort. Die genaue Kenntnis des Sterbeortes ist meiner Meinung nach sogar wichtiger, als das exakte Wissen um den Todestag, da sich nur mit dem Orte das heute zuständige Standesamt zuverlässig ermitteln lässt. Die für die Urkunde passende Stelle quasi. Der Ort, an dem du zu suchen gedenkst. Genaue Daten lassen sich selbstverständlich im Standesamt oder im Archiv in einem weiteren Schritt durch Aktenstudium ermitteln. Darauf gehe ich später auch beispielhaft ein. Sind die Register grundsätzlich vorhanden, also nicht verbrannt, verschimmelt, zerbombt, geklaut oder sonstewie verschollen ist der Erhalt einer Kopie der Originalsterbeurkunde sicher von Erfolg gekrönt.

Also, Todestag und Sterbeort. Hier ein paar fiktive Szenarien:

Du weißt, dass dein Opa Fritz Mustermann am 12.03.1925 in Musterdorf (Deutschland) gestorben ist. Mit Hilfe einfacher Online-Recherchen lokalisierst Du zunächst den Sterbeort. In einem weiteren Schritt das für diesen Ort heute zuständige Standesamt. Das kann, insbesondere bei kleineren Gemeinden auch in einem anderen, naturgemäß nahe gelegenen Orte, sein. Deine Internetsuche wird früher oder später von Erfolg gekrönt sein. Oftmals geben die offiziellen Internetseiten der Gemeinden auch eine gute Sicht auf die Verwaltungsstruktur mit Ansprechpartnern, Telefonnummern und E-Mailadressen. Diese am besten zunächst rausschreiben oder anders festhalten (Screenshot oder Druck). Nun steht einer Anfrage, die zwar formlos, dafür möglichst aussagekräftig erfolgen sollte, nichts im Wege. Das geht vielerorts im Jahre 2019 sogar per E-Mail. Kurz und knapp, keine Romane schreiben.

Anrede,
hiermit bitte ich um Zusendung einer Kopie der Sterbeurkunde von Fritz Mustermann, gest. am 12.03.1925 in Musterdorf. An einer Abschrift bin ich nicht interessiert. Die Gebühren trage ich.
Grußformel
Name und Adresse

Das ist zu einfach. Datenschutz?

Ja, stimmt. Soweit erstmal der Wunsch. Doch einer Erfüllung desgleichen können Vorschriften entgegenstehen. Solche zum Datenschutz beispielsweise. So gibt es für Sterberegister eine Sperrfrist von 30 Jahren. In diesem Fall hier nicht relevant, da 1925 verstorben. Doch wäre der Fritz 2019 gestorben, so würde dies eben unter die Sperrfrist fallen. Die gilt jedoch möglicherweise nicht für dich. Denn Personen aus einem engen Umfeld (Ehegatten, Vorfahren und Abkömmlinge) haben gute Karten. Ob, oder ob nicht, wird dir die Antwort vom Standesamt verraten, ggf. sogar gut begründet. Es kann bei einer Anfrage, die einen jüngeren Sterbefall betrifft, daher ratsam sein, die verwandtschaftliche Beziehung im Vorfeld zu erwähnen. Ich habe als Enkel problemlos Kopien der Sterbeurkunden meiner Großeltern erhalten. Möglicherweise sehen andere Standesämter einen Enkel jedoch als zu weit entfernten Abkömmling. In dem Fall könnte man ja ganz pragmatisch auch die Mutter oder den Vater bitten, die Urkunde anzufordern.

Ich kenne zwar den Sterbeort, jedoch nicht das Datum. Was nun?

Den Sterbeort und somit das zuständige Standesamt haben wir. Das ist die halbe Miete. Was uns noch fehlt, ist die Recherche. Ich kenne keine zentralen Abfragemöglichkeiten in Standesämtern. Man dürfte sich dort hier und da im Laufe der Tätigkeit sukzessive Stichwortverzeichnisse aufgebaut haben, wahrscheinlich simple Excel-Tabellen, damit man nicht jedes Mal aufs Neue sucht. Auf Antwort wartende Ahnenforscher, vom Fieber gepackt, zeigen in ihrer vom Forscherdrang durchzogenen Ungeduld gern auch mal Neigungen, Standesbeamte auf Such- und Kopiertätigkeiten reduzieren zu wollen. Unterschlagen also die ganzen anderen Aufgaben. Zugegeben, das habe ich jetzt auch ein bisschen geschrieben, damit man mich auf Standesämtern und in Archiven mag. Nein, nicht nur. Spaß beiseite. Standesbeamte und deren Mitarbeiter sind Menschen, das bitte nicht vergessen. Und diese Menschen gehen schließlich für dich in den Keller und suchen. Von daher ist eine zeitliche Eingrenzung des Sterbefalls sehr hilfreich und unter Umständen auch kostengünstiger.

Wenn du ganz sicher weißt, dass dein Opa also in Musterdorf (Deutschland) gestorben ist, der Zeitraum lässt sich ja eingrenzen, dann kannst du guten Gewissens mit deiner Recherche in Musterdorf ansetzen.

Findest Du einen Grabstein deines Vorfahren auf einem Friedhof in München, dann ist das kein Beweis für München als Sterbeort, jedoch ein ganz heißes Indiz dafür. Und schlussendlich liegst du wahrscheinlich sogar richtig, bei entsprechenden Münchener Stellen anzusetzen. Merke: Die Kenntnis des Sterbeortes ist wichtiger als das Sterbedatum.

Mein Opa starb in Ostpreußen, das Standesamt gibt’s nicht mehr. Was nun?

Das Standesamt gibt es nicht mehr, die Register – wenn Du Glück hast – schon. Hier musst du nun etwas mehr recherchieren, als beim Regelfall. Zunächst gilt auch hier die genaue Lokalisierung des (ehemaligen deutschen) Ortes als Muss, um in einem weiteren Schritt das seinerzeit zuständige Standesamt und in einem dritten Schritt das zuständige Archiv zu ermitteln. Bemühe also eine Suchmaschine mit den Begriffen, Sterbeort und Gov (z.B. „Friedrichsgabe + GOV“). Das GOV steht für das genealogische Ortsverzeichnis vom Verein für Computergenealogie, die Datenbank hilft mir schon seit vielen Jahren. Deine Suche mit unserem Fallbeispiel wird dir die Erkenntnis bringen, dass Friedrichsgabe im Landkreis Insterburg liegt und zum Standesamt Jodlauken gehörte. Oder auch nicht. Deshalb recherchiere gründlich.

So weit so gut. Mit diesem Wissen musst du dich nun durch die bunte genealogische Netzwelt wurschteln und in Erfahrung bringen, ob es deren Bestände noch gibt und wenn ja, wo diese archiviert sind. Deine Anfrage formulierst Du wie oben beschrieben. Notfalls nimmst Du einen Translator zur Hand. Selbstverständlich gibt es auch gedruckte Bestandsverzeichnisse (Find-Bücher). Diesen Aufwand würde ich allerdings nur betreiben, sofern du im WWW nicht vorankommst. Zwischenzeitlich befinden sich im Netz so unglaublich viele gute und informative Seiten, dass man mit ein wenig Aufwand schnell die gewünschten Informationen bekommt. Suchst du im Bereich Schlesien beispielsweise empfehle ich dir die Seiten von Dr. Claus Christoph aus Hemmingen.

Wenn Du Glück hast, sind die Register sogar online als Digitalisat einsehbar. Ich empfehle mal den Besuch der Portale

Und ganz am Rande: über die Datenbank des VFFOW (Ost- und Westpreußen) habe ich vor längerer Zeit bereits ein kleines Tutorial verfasst.

Was enthält nun eine Sterbeurkunde?

Doch genug der Szenarien. Welche Informationen kann ich einer Sterbeurkunde überhaupt entnehmen? Was bringt mir das überhaupt?

Ich habe mir zwanzig Sterbeurkunden von verschiedenen Verlagen, aus unterschiedlichen Zeiträumen und Forschungsgebieten aus meinem Digitalarchiv zum Vergleich herangezogen und dabei folgendes gelesen:

  • sämtliche Vornamen und der Familienname
  • Geburtsdatum und Geburtsort (manchmal auch unter Angabe der Register)
  • letzte Wohnanschrift
  • logischerweise das Sterbedatum und den Sterbeort, in seltenen Fällen auch Todesursache und genaue Uhrzeit des Todes
  • in älteren Urkunden finden sich gelegentlich Angaben zur Religion und des beruflichen Standes des Verstorbenen
  • Familienstand (z.B. Ehemann der… oder Kind des…)
  • gelegentlich Angaben zu den Eltern
  • handschriftliche Randvermerke
  • Angaben zum Anzeigenden

Eine Sterbeurkunde, die all die vorangegangenen Informationen enthält, fand ich natürlich nicht. Die o.g. Auflistung soll lediglich das Mögliche aufzeigen, aber genau darin liegt für mich auch stets der Reiz. Ich halte es da analog mit Forest Gump, die Sache mit der Pralinenschachtel. Ob dich die Informationen aus der Urkunde weiterbringen, entscheidest du also selbst.

Anbei einige Sterbeurkunden aus meinem Archiv:

 

Vorsicht Kostenfalle!

Auch wenn sich die Gebühren für die Anforderung einer Personenstandsurkunde in Grenzen halten empfehle ich, die „eigenen Bestellungen“ im Auge zu behalten und nicht den Überblick zu verlieren. Dies insbesondere dann, wenn du am Anfang deiner Familienforschung stehst und aus dem Ahnenfieber heraus agierst. Eine junge Forscherin berichtete mir auf dem Genealogentag in Dresden, in ihrer Anfangszeit knapp sechzig Anfragen an verschiedene Stellen geschickt zu haben; per Post, E-Mail und telefonisch. Zwar war ihr bewußt, dass die Auskünfte nicht gratis sind, die schiere Anzahl verlor sie im Forschungseifer jedoch aus dem Blick. Ist aber alles gut gegangen.

Fazit

Dieses Tutorial beschrieb natürlich einen außerordentlich günstig liegenden, besser gesagt leichten Fall. So waren Namen, Daten und Orte bekannt und falls nicht eingrenzbar. Das Archiv war zudem ermittelbar und die Personenstandsregister vorhanden. Dieses Gebilde dürfte bei vielen Forschern so anzutreffen sein. Andere sind da in einer unglücklicheren Situation, etwa wenn es die Register schlichtweg nicht mehr gibt oder der Sterbeort einfach nicht zu finden ist.

Print Friendly, PDF & Email